Haare wachsen nicht ununterbrochen. Jeder Haarfollikel durchläuft einen eigenen biologischen Zyklus, der Wachstum, Übergang, Ruhe und schließlich das Ausfallen des Haares umfasst. Dieser Prozess wird als Haarwachstumszyklus bezeichnet. Er erklärt, warum täglich einige Haare ausfallen, weshalb ein plötzlicher Haarverlust erst Monate nach einer Erkrankung oder einer Stressphase auftreten kann und warum Behandlungen gegen Haarausfall Zeit benötigen, bis sichtbare Ergebnisse erkennbar werden.
Die drei wichtigsten Phasen des Haarfollikels sind die Anagen-, Katagen- und Telogenphase. Viele Fachleute beschreiben zusätzlich die Exogenphase — das Ablösen des ruhenden Haares — als eigenständige Phase des Haarausfalls. Da nicht alle Haarfollikel der Kopfhaut gleichzeitig in dieselbe Phase eintreten, bleibt die Haardichte bei gesundem Haar trotz der kontinuierlichen Erneuerung normalerweise relativ stabil.
Wer diese Phasen versteht, kann Veränderungen der Haardichte sowie Haarausfall und Nachwachsen besser einordnen. Dabei wird auch ein wichtiger Grundsatz deutlich: Eine wirksame Behandlung von Haarausfall beginnt damit, die Ursache der Veränderung des Haarzyklus zu ermitteln, anstatt lediglich zu versuchen, das Haarwachstum zu beschleunigen.

Die drei Phasen des Haarwachstums
- Anagen: die aktive Wachstumsphase
Die Anagenphase ist die längste und biologisch aktivste Phase des Haarzyklus. Die Zellen in der Haarmatrix teilen sich schnell, während der Haarfollikel tief in die Haut hineinreicht und eine neue Haarfaser bildet. Die Blutgefäße rund um die dermale Papille tragen dazu bei, den für diese Zellaktivität benötigten Sauerstoff und die notwendigen Nährstoffe bereitzustellen.
Zu jedem Zeitpunkt befinden sich bei einer gesunden Kopfhaut normalerweise etwa 85–90 % der Haarfollikel in der Anagenphase. Kopfhaar wächst ungefähr 1 Zentimeter — beziehungsweise etwa 0,4 Zoll — pro Monat. Die Wachstumsgeschwindigkeit kann jedoch je nach genetischer Veranlagung, Alter, Gesundheitszustand und Körperregion variieren.
Die Anagenphase kann mehrere Jahre andauern. Ihre Dauer ist einer der wichtigsten Faktoren dafür, welche Länge das Haar eines Menschen auf natürliche Weise erreichen kann. Bei einer relativ kurzen Anagenphase kann das Haar nur bis zu einer bestimmten Länge wachsen, bevor es ausfällt, selbst wenn die einzelnen Haare ansonsten gesund sind.
Bei der androgenetischen Alopezie, die häufig als erblich bedingter Haarausfall bei Männern oder Frauen bezeichnet wird, verbringen genetisch empfindliche Haarfollikel zunehmend weniger Zeit in der Anagenphase. Zudem kommt es zur Miniaturisierung der Follikel, wodurch sie immer kürzere und feinere Haare produzieren.
- Katagen: die Übergangsphase
Die Katagenphase ist eine kurze, aber hochgradig organisierte Übergangsphase zwischen aktivem Wachstum und Ruhe. Die Zellteilung verlangsamt sich und kommt schließlich zum Stillstand, der untere Teil des Haarfollikels bildet sich zurück und der Follikel trennt sich von einem Großteil seiner Blutversorgung.
An dieser Rückbildung ist die Apoptosebeteiligt. Dabei handelt es sich um einen kontrollierten Prozess des Zellabbaus, der zur normalen Erneuerung des Haarfollikels gehört. Das Haar fällt nicht sofort aus. Stattdessen entwickelt es sich zu einem vollständig verhornten Kolbenhaar, das zunächst im Follikel verbleibt, während dieser sich auf die Telogenphase vorbereitet.
Normalerweise befindet sich zu einem bestimmten Zeitpunkt nur etwa 1 % der Haarfollikel der Kopfhaut in der Katagenphase. Da diese Phase nur kurz andauert und vergleichsweise wenige Follikel betrifft, wird sie in der Regel nicht unmittelbar wahrgenommen.
- Telogen: die Ruhephase
Während der Telogenphase pausiert die aktive Bildung des Haarschafts. Das Kolbenhaar verbleibt im Haarfollikel, bis es schließlich abgestoßen wird. Dies geschieht häufig, wenn sich darunter bereits ein neues Haar in der Anagenphase zu bilden beginnt.
Normalerweise befinden sich etwa 10–15 % der Kopfhaare in der Telogenphase. Dieser Anteil kann nach einer Erkrankung, einer Geburt, starkem Stress, einer Operation, einem Nährstoffmangel oder der Einnahme bestimmter Medikamente vorübergehend ansteigen. Wenn ungewöhnlich viele Haarfollikel gleichzeitig in die Telogenphase eintreten, kann es einige Monate später zu diffusem Haarausfall kommen. Dieser Zustand wird als Telogeneffluvium bezeichnet.

Was ist die Exogenphase?
Die Exogenphase bezeichnet gezielt das Ablösen und Ausfallen des Kolbenhaares. Sie überschneidet sich mit der späten Telogenphase oder der frühen Anagenphase. Deshalb unterteilen einige Quellen den Haarwachstumszyklus in drei Phasen, während andere vier Phasen beschreiben.
Die Exogenphase ist ein normaler Bestandteil der Erneuerung der Haarfollikel. Haare in der Dusche oder in der Bürste sind nicht automatisch ein Hinweis auf eine Erkrankung. Aussagekräftiger als eine genaue tägliche Zählung sind das Muster, die Dauer und die Menge des Haarausfalls sowie die Frage, ob sich die Haardichte sichtbar verändert.
Wie lange dauert jede Phase des Haarwachstums?
Die folgenden Angaben sind Näherungswerte und beziehen sich hauptsächlich auf Kopfhaar. Einzelne Haarfollikel können sich unterschiedlich verhalten. Zudem läuft der Haarzyklus nicht in allen Körperregionen gleich ab.
| Phase des Haarzyklus | Ungefähre Dauer | Ungefährer Anteil der Kopfhaare | Was geschieht? |
| Anagenphase | 2–7 Jahre, manchmal länger | 85–90 % | Der Haarfollikel produziert aktiv den Haarschaft und lässt ihn länger werden |
| Katagenphase | 2–4 Wochen | Etwa 1 % | Das Wachstum endet und der untere Teil des Haarfollikels bildet sich zurück |
| Telogenphase | Etwa 2–4 Monate | 10–15 % | Der Haarfollikel ruht und hält das Kolbenhaar zunächst fest |
| Exogenphase | Variabel; überschneidet sich mit der Telogenphase und der frühen Anagenphase | Wird in der Regel nicht separat gemessen | Das Kolbenhaar löst sich und fällt aus |
Augenbrauen, Wimpern und Körperhaare haben eine deutlich kürzere Anagenphase als Kopfhaare. Deshalb erreichen sie selbst dann nur eine begrenzte Länge, wenn sie nie geschnitten werden.

Was kann den Haarwachstumszyklus stören?
Der Haarfollikel reagiert auf hormonelle, metabolische, immunologische, ernährungsbedingte und umweltbedingte Signale. Eine Störung zerstört den Haarfollikel nicht zwangsläufig. Sie kann lediglich beeinflussen, wann die Follikel von einer Phase in die nächste wechseln.
| Störfaktor | Mögliche Auswirkung auf den Haarzyklus | Typisches Erscheinungsbild |
| Schwere Erkrankung, Fieber oder Operation | Mehr Haarfollikel wechseln vorzeitig von der Anagen- in die Telogenphase | Diffuser Haarausfall zwei bis vier Monate später |
| Geburt oder starke hormonelle Veränderung | Gleichzeitiger Übergang zahlreicher Follikel in die Telogenphase | Haarausfall nach der Geburt |
| Schneller Gewichtsverlust oder stark einschränkende Diäten | Verminderte Nährstoffversorgung und vorzeitiger Eintritt in die Telogenphase | Diffuse Ausdünnung oder brüchige Haare |
| Nachgewiesener Eisen-, Zink- oder anderer Nährstoffmangel | Kann die normale Aktivität der Haarfollikel beeinträchtigen | Haarausfall, vermindertes Wachstum oder schwächeres Haar |
| Androgenetische Alopezie | Verkürzte Anagenphase und fortschreitende Miniaturisierung der Haarfollikel | Haarausfall nach einem charakteristischen Muster |
| Chemotherapie oder bestimmte Giftstoffe | Unterbrechung der Aktivität sich schnell teilender Anagenzellen | |
| Autoimmunerkrankung | Immunangriff auf die Haarfollikel, häufig mit Auswirkungen auf die Anagenphase | Kreisrunder oder diffuser Haarausfall bei Alopecia areata |
| Zugbelastung sowie chemische oder thermische Schäden | Haarbruch und bei anhaltender Zugbelastung eine Schädigung der Follikel | Kurze, abgebrochene Haare oder Ausdünnung am Haaransatz |
Ein Telogeneffluvium macht sich üblicherweise erst zwei bis vier Monate nach dem Auslöser bemerkbar und nicht unmittelbar danach. Aufgrund dieser Verzögerung kann es schwierig sein, die Ursache zu erkennen. Beispielsweise kann sich eine Person von hohem Fieber erholen und erst einige Monate später einen verstärkten Haarausfall bemerken.
Anhaltender Haarausfall kann außerdem mehrere Ursachen gleichzeitig haben. Ein Telogeneffluvium kann zusammen mit erblich bedingtem Haarausfall auftreten. Durch den plötzlichen Volumenverlust kann eine zuvor kaum erkennbare Miniaturisierung deutlicher sichtbar werden.
Wie sich der Haarzyklus mit zunehmendem Alter verändert
Der Alterungsprozess wirkt sich sowohl auf den Haarschaft als auch auf den Haarfollikel aus. Die Anagenphase kann kürzer werden, während sich der Zeitraum verlängern kann, den ein Follikel benötigt, um wieder in die aktive Wachstumsphase einzutreten. Dadurch können die Haare langsamer wachsen, kürzer bleiben und insgesamt weniger Abdeckung bieten.
Auch einzelne Haare können feiner werden, da die Aktivität der Haarfollikel nachlässt. Die Anzahl der aktiv wachsenden Follikel kann abnehmen. Gleichzeitig werden die pigmentbildenden Melanozyten weniger aktiv, wodurch graue oder weiße Haare entstehen.
Auch hormonelle Veränderungen spielen eine Rolle. Die Empfindlichkeit gegenüber Androgenen ist ein wesentlicher Faktor bei erblich bedingtem Haarausfall. Hormonelle Veränderungen rund um die Wechseljahre können bei manchen Frauen zudem die Haardichte und den Durchmesser des Haarschafts beeinflussen.
Diese Veränderungen verlaufen nicht bei allen Menschen gleich schnell. Genetische Veranlagung, Erkrankungen, Medikamente, Ernährung, Rauchen, Kopfhauterkrankungen und Gewohnheiten bei der Haarpflege können beeinflussen, wie das Haar altert.

Behandlungen für unterschiedliche Abschnitte des Haarzyklus
Es gibt keine einzelne Behandlung, die sämtliche Haarfollikel „zurücksetzen“ kann. Die Wahl der Behandlung sollte sich nach der jeweiligen Diagnose richten.
Minoxidil wird häufig bei erblich bedingtem Haarausfall eingesetzt. Es kann den Eintritt der Haarfollikel in die Anagenphase fördern, die aktive Wachstumsphase verlängern und den Durchmesser einiger miniaturisierter Haare vergrößern. Zu Beginn der Behandlung kann es vorübergehend zu verstärktem Haarausfall kommen, da die Follikel ihre Wachstumsphase wechseln. Sichtbare Ergebnisse erfordern in der Regel eine konsequente Anwendung. Nach dem Absetzen lassen die erzielten Effekte meist wieder nach.
Finasterid hemmt das Enzym 5-Alpha-Reduktase Typ II und reduziert dadurch die Umwandlung von Testosteron in Dihydrotestosteron, kurz DHT. Es wird hauptsächlich bei erblich bedingtem Haarausfall bei Männern eingesetzt und kann dazu beitragen, die Miniaturisierung der Haarfollikel zu verlangsamen. Finasterid ist nicht für jeden Menschen geeignet. Mögliche Nebenwirkungen und schwangerschaftsbezogene Vorsichtsmaßnahmen sollten mit einer entsprechend qualifizierten Ärztin oder einem entsprechend qualifizierten Arzt besprochen werden.
Abhängig von Geschlecht, Krankengeschichte und Diagnose können weitere verschreibungspflichtige Behandlungen in Betracht gezogen werden. Dazu gehören Dutasterid, Spironolacton, Kortikosteroide oder neuere, gezielt auf das Immunsystem wirkende Medikamente für bestimmte Formen der Alopezie. Diese Behandlungen haben unterschiedliche Anwendungsgebiete und sind nicht als beliebig austauschbare Lösungen zu betrachten.
Beim Telogeneffluvium richtet sich die Behandlung in der Regel nach dem Auslöser. Dazu können die Behandlung einer Schilddrüsenerkrankung, der Ausgleich eines nachgewiesenen Mangels, die ärztliche Überprüfung eingenommener Medikamente, eine Verbesserung der Ernährung oder ausreichend Zeit zur Erholung nach einer Erkrankung oder Geburt gehören. Nahrungsergänzungsmittel können nicht jede Ursache von Haarausfall beheben.
Eine Haartransplantation verändert nicht den zugrunde liegenden Wachstumszyklus der vorhandenen, nicht transplantierten Haarfollikel. Stattdessen werden geeignete Follikel aus einem Spenderbereich in ausgedünnte Bereiche verpflanzt. Die transplantierten Haare fallen nach dem Eingriff häufig vorübergehend aus, bevor sie einen neuen Wachstumszyklus beginnen. Zum Schutz des für Haarausfall anfälligen Eigenhaars kann weiterhin eine medikamentöse Behandlung empfohlen werden.
Lässt sich die Anagenphase maximieren?
Die genetische Veranlagung setzt der Dauer der Anagenphase natürliche Grenzen. Deshalb kann keine Pflegeroutine ein dauerhaft verlängertes Haarwachstum garantieren. Mehrere Maßnahmen können jedoch bessere Voraussetzungen dafür schaffen, dass die Haarfollikel normal funktionieren:
- Auf eine ausgewogene Ernährung mit ausreichend Eiweiß, Eisen, Zink und essenziellen Vitaminen achten.
- Eine starke Kalorienbeschränkung und schnelle, nicht medizinisch begleitete Gewichtsabnahme vermeiden.
- Entzündliche, infektiöse oder mit Schuppenbildung verbundene Erkrankungen der Kopfhaut angemessen behandeln lassen.
- Wiederholte Zugbelastungen durch straffe Zöpfe, Haarverlängerungen, Pferdeschwänze oder Kopfbedeckungen reduzieren.
- Übermäßiges Blondieren, chemische Behandlungen und häufiges Styling bei hohen Temperaturen begrenzen.
- Chronische Erkrankungen behandeln und möglichen medikamentenbedingten Haarausfall ärztlich abklären lassen.
- Wissenschaftlich fundierte Behandlungen gegen Haarausfall konsequent anwenden, sofern sie medizinisch geeignet sind.
- Hoch dosierte Nahrungsergänzungsmittel nicht ohne eindeutigen Grund oder fachliche Beratung einnehmen.
Das Schneiden oder Rasieren der Haare verändert weder die Dauer der Anagenphase noch führt es dazu, dass die Follikel dickere Haare produzieren. Diese Maßnahmen wirken sich ausschließlich auf den nicht lebenden Haarschaft oberhalb der Haut aus, nicht auf die biologische Aktivität des darunterliegenden Haarfollikels.

Unterstützung durch Nährstoffe und Produkte von MD Plus Bio
Das Nahrungsergänzungsmittel MD Bio PLUS GF Hair Multivitamin enthält Biotin, Eisen, Zink, Selen, Aminosäuren und Pflanzenextrakte. Diese Inhaltsstoffe dienen der ernährungsbezogenen Unterstützung einer normalen Haarstruktur und Follikelfunktion. Das Produkt kann für Erwachsene sinnvoll sein, deren Ernährung bestimmte Nährstoffe nicht in ausreichender Menge liefert oder bei denen medizinisches Fachpersonal einen erhöhten Nährstoffbedarf festgestellt hat.
Ein Nahrungsergänzungsmittel sollte jedoch weder als Behandlung für jede Form von Haarausfall noch als Möglichkeit dargestellt werden, Haarfollikel in die Anagenphase zu zwingen. Der Ausgleich eines tatsächlich bestehenden Mangels kann ein normales Haarwachstum unterstützen. Die zusätzliche Einnahme von Nährstoffen führt jedoch nicht zwangsläufig zu schnellerem oder dichterem Haar, wenn bereits eine ausreichende Versorgung besteht. Das Produkt sollte eine ausgewogene Ernährung, eine medizinische Untersuchung oder eine verordnete Behandlung ergänzen — und nicht ersetzen.
Schwangere oder stillende Personen sowie Menschen mit einer Erkrankung oder regelmäßiger Medikamenteneinnahme sollten vor der Anwendung medizinischen Rat einholen. Hoch dosiertes Biotin kann außerdem bestimmte Laboruntersuchungen beeinflussen, darunter einige Schilddrüsen- und Herztests. Personen, die Biotin einnehmen, sollten daher ihre Ärztin oder ihren Arzt sowie das Laborpersonal darüber informieren.
Wann sollte man eine Hautärztin oder einen Hautarzt aufsuchen?
Eine fachärztliche Untersuchung ist empfehlenswert, wenn eines oder mehrere der folgenden Anzeichen auftreten:
- Plötzlicher oder sich schnell verschlimmernder Haarausfall
- Klar abgegrenzte kahle Stellen
- Schmerzen, Rötungen, Schuppenbildung, Pusteln oder Vernarbungen der Kopfhaut
- Haarausfall, der länger als sechs Monate anhält
- Verlust von Augenbrauen, Wimpern oder Körperhaaren
- Haarausfall in Verbindung mit Müdigkeit, Gewichtsveränderungen, Veränderungen des Menstruationszyklus oder anderen Symptomen
- Fortschreitende Ausdünnung am Haaransatz, an den Schläfen, entlang des Scheitels oder am Oberkopf
Eine Hautärztin oder ein Hautarzt kann die Kopfhaut mittels Dermatoskopie untersuchen, einen Haarzugtest durchführen und bei Bedarf Blutuntersuchungen veranlassen. Eine Kopfhautbiopsie ist nur in ausgewählten Fällen erforderlich. Eine frühzeitige Diagnose ist besonders wichtig, wenn der Verdacht auf eine vernarbende Alopezie besteht, da die Haarfollikel dauerhaft geschädigt werden können.
Häufig gestellte Fragen
Wie viel täglicher Haarausfall ist normal?
Die Menge kann erheblich schwanken. Häufig werden etwa 50–100 Haare pro Tag genannt, doch das Zählen einzelner Haare ist selten zuverlässig. Ein anhaltend verstärkter Haarausfall, eine sichtbare Ausdünnung oder ein deutlich breiterer Scheitel sind medizinisch aussagekräftiger als der Wert eines einzelnen Tages.
Können Haare dauerhaft in der Telogenphase bleiben?
Die Telogenphase ist normalerweise vorübergehend. Bei manchen Follikeln kann sich die Rückkehr in die Anagenphase jedoch verzögern; dieser Zeitraum wird mitunter als Kenogenphase bezeichnet. Eine anhaltende Ausdünnung kann auch auf eine andere zugrunde liegende Erkrankung zurückgehen und sollte untersucht werden.
Bedeutet Haarausfall, dass neue Haare wachsen?
Manchmal. In der normalen Exogenphase — und häufig beim Telogeneffluvium — trägt ein neues Anagenhaar dazu bei, das ruhende Kolbenhaar abzulösen. Haarausfall garantiert jedoch nicht bei jeder Erkrankung ein ausreichendes Nachwachsen. Erblich bedingter Haarausfall sowie entzündliche oder vernarbende Erkrankungen müssen gesondert beurteilt werden.
Wie schnell wirken Behandlungen für das Haarwachstum?
Da die Haarfollikel entsprechend ihrem biologischen Zyklus reagieren, dauert es bei den meisten Behandlungen mehrere Monate, bis sich aussagekräftige Veränderungen beurteilen lassen. Zu den ersten Veränderungen kann ein Rückgang des Haarausfalls gehören. Eine sichtbare Verbesserung der Haardichte benötigt in der Regel mehr Zeit. Die Ergebnisse hängen von der Diagnose und der kontinuierlichen Behandlung ab.
Können Vitamine die Anagenphase verlängern?
Vitamine und Mineralstoffe unterstützen die normale Zellfunktion. Eine Ergänzung ist jedoch vor allem dann sinnvoll, wenn ein Mangel oder eine unzureichende Zufuhr besteht. Es gibt keine ausreichenden Belege dafür, dass hohe Dosierungen die Anagenphase bei bereits gut versorgten Menschen verlängern. Eine übermäßige Einnahme kann zudem Nebenwirkungen verursachen.
Fazit
Anagen-, Katagen- und Telogenphase sind keine voneinander getrennten Ereignisse, die gleichzeitig die gesamte Kopfhaut betreffen. Es handelt sich um koordinierte Phasen, die jeder Haarfollikel unabhängig durchläuft. Durch diesen zeitlich versetzten Ablauf kann die Kopfhaut ihre Abdeckung aufrechterhalten, während einzelne Haare wachsen, ruhen und ausfallen.
Veränderungen im Gleichgewicht zwischen diesen Phasen können diffusen Haarausfall, eine verringerte Haardichte und die allmähliche Miniaturisierung bei erblich bedingtem Haarausfall erklären. Gesundes Haar zu unterstützen bedeutet, Kopfhaut und Haarschaft zu schützen, eine ausreichende Nährstoffversorgung sicherzustellen und die zugrunde liegende Ursache eines ungewöhnlichen Haarausfalls zu behandeln — nicht die normalen Ruhe- oder Ausfallphasen beseitigen zu wollen.
Bei plötzlich einsetzendem, anhaltendem oder kreisförmigem Haarausfall sowie begleitenden Kopfhautbeschwerden ist eine professionelle Diagnose der sicherste Ausgangspunkt.
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